Felsengleise - einige Neuzugänge
 deutsch  english español français

Dieser Beitrag wird laufend ergänzt durch neue Funde

Berlin · Dez. 2016  Uwe Topper topper

Mein Artikel von go 2008:
„Die unerklärten Felsengleise der Alten Welt. Eine Anregung zu weiterer Forschung“
faßte das Wesentliche von mehreren Jahrzehnten Erkundung zusammen, veröffentlicht seit 1977 („Das Erbe der Giganten“).
Hier noch einmal die beiden Gedanken, die sich hinsichtlich der Entstehung oder Herstellung jener geheimnisvollen „Gleisestraßen“ (im Englischen nach dem Vorbild von Malta auch „Cart Ruts“ genannt) ergeben haben. Beide Erklärungsweisen schließen sich nicht gegenseitig aus, sondern können nebeneinander – je nach Fundort – angewandt werden.
1. Die Gleise, vor allem die aufwendigen Auffahrten an Städten oder in Gebirgen, sind ingenieurmäßig mit großem handwerklichem Können und beabsichtigter Ästhetik angelegt, um Fahrzeuge, vermutlich zweirädrige Karren, zu Transportzwecken bequem über Hindernisse oder große Strecken gleiten zu lassen. Schlitten scheiden aus, weil starre Kufen in den (an manchen Orten bis zu 60 cm tiefen) Rinnen in den Kurven blockieren würden.
2. An einigen, durchaus nicht seltenen Stellen könnten die Rinnenpaare durch einmaliges Befahren im weichen Untergrund eingeprägt worden sein, etwa wie Spuren im Schnee oder Morast. Da diese Gleise heute fossil sind, im harten Fels der Landschaft, muß es sich um einen entscheidenden Moment, vermutlich während einer Katastrophe, gehandelt haben, vergleichbar den von Sauriern hinterlassenen Pfotenabdrücken. Eine sehr weit ausgebreitete Zivilisation von „Karrenleuten“, die vermutlich Erze transportierten und durch die Katastrophe unterbrochen oder ausgelöscht wurden, hatte ich 2003 („Horra“) beschrieben.
Eine dritte Erklärung, die ich häufig von Archäologen auf meine eindringlichen Fragen gehört habe, kann ich ausscheiden: die Gleise seien durch starke Benützung im Laufe der Jahrhunderte von Pferde- oder Ochsenkarren mit Eisenfelgen in den flachen Fels eingeschliffen. Es gibt tatsächlich solche Abnützungsspuren, wie ich in Spanien und Portugal, wo bis vor kurzem derartige Karren noch in Betrieb waren, feststellen konnte. Diese Zeugnisse, meist ganz kurze Stücke in Hohlwegen oder auf Felsbuckeln, sehen anders aus, sie sind flacher und breiter ohne die scharfe Kantenbearbeitung und genaue Normierung der handwerklich angelegten vorgeschichtlichen Gleise, die oft kilometerweit durchs Land führen.

Verbreitung der Gleise mit den neuen Fundstellen. Diese Karte wird laufend ergänzt.

gleisekarte

Seit meinen Artikeln und Vorträgen sind weitere Entdeckungen dazugekommen, ganz besonders in den letzten Tagen Hinweise auf Felsengleise in Süddeutschland, im Bereich des Schwarzwalds. Diese passen recht gut zu den schon länger bekannten Fundstellen in Elsaß-Lothringen auf der anderen Seite des Rheins: dem „Plattenweg“ beim keltischen Oppidum Heidenstadt nahe Saverne (Zabern) (Foto Topper 2000):

gleise-platten
Besser erforscht sind die Gleise im Schweizer Jura, siehe besonders Pfister (2004) zum Karrgeleise bei Friedliswart (Frinvillier), wo das Gleis an einem Felsabsturz endet.

Von den Gleisestraßen über die Alpen in Österreich und Kroatien berichtete besonders Bulle (1947) (siehe go 2008).

Außerdem beschreiben die Schweizer Straßen: Hanno Helbling und Bernhard Moosbrugger (1972): Freiberge und ein Stück vom Hauenstein.

HelvetienHauenstein

Nun folgen Fotos von den neuen Orten in Baden und Schwaben, die mir Thomas Horn freundlicherweise zuschickte, zuerst ein Gleisestück vom Kniebis (Freudenstadt, Schwarwald). Dieser Paß war eine ideale Verbindung von Straßburg zum Neckar. Es wurde dort auch von einer Römerstraße gesprochen, zumindest gibt es in der Nähe die Bezeichnung "Alte Straße".

Gleis am Kniebis mit Maßstab (Foto Thomas Horn 2015)
kniebisgleis

Später erhielt ich bestätigende Fotos vom selben Gleisestück von Helmut Ruf:

Kniebis Gleis  H

Im Sommer 2016 konnte ich Kniebis aufsuchen, die Fundstelle bestätigen, und noch ein zweites Gleise-Stück an der Paßstraße entdecken, wenige Kilometer entfernt (Foto Topper):

Gleise Kniebis (2)

Der andere Fund: Albstadt in Schwaben (Foto Thomas Horn 2015)

albstadt2

Auch dieses konnte unabhängig bestätigt werden. Helmut Ruf hat ein weiteres Gleisstück entdeckt, diesmal am Kapf bei Schwenningen an der Kirnach. Hier zwei Fotos, auf denen die Fahrrinnen nur schwach erkennbar sind: GleisKapf1GleisKapf2Man sieht allerdings auch hier die scharf gearbeitete Kante. Wenn sich Vertiefungen durch häufige Benutzung bilden, sind sie gerundet und sehr breit. Die befestigte Kelten-Siedlung Kapf ist von Archäologen untersucht worden, sie gehört zur Eisenzeit; es wurde auch Eisenerz gefunden, das hier vermutlich verhüttet wurde.
Möglicherweise werden weitere Gleisestücke im Schwarzwald auftauchen, seit die Aufmerksamkeit darauf gelenkt wurde. Man sollte möglichst die Fundstellen weiter in der Landschaft verfolgen und eventuell das Straßennetz entdecken, das einst bestanden haben muß.

Zu erwähnen ist auch die Ausgrabung von Ewald Ernst an den Externsteinen, ein alter Paßweg von geringer Spurbreite, der allerdings nicht genau den übrigen Gleisen vergleichbar ist.

Italien:

Untypisch sind die Wege im Tuff bei Pitigliano (Toskana), die ich 2010 und 2013 ausgiebig anschaute. Das Gestein ist sehr weich, darum nicht nur leicht in dieser gigantischen Tiefe in den Berg hinein zu bearbeiten, sondern auch durch Verwitterung schneller wieder unkenntlich geworden.
Typisch dagegen sind die Gleisestraßen in Matera (Apulien)

Gleis Matera

und in Syrakus auf Sizilien (1999):

Gleis Syrakus

Sie haben große Ähnlichkeit mit denen auf Malta (hier noch zwei Fotos von LK 2005):

Gleise Malta LK3

Gleise Malta LK4

In Italien bestätigte sich mir auch, daß das Fehlen von Trittspuren, das schon Trump 1972 in Malta ankreidete, ein großes Problem darstellt. Ich fotografierte in Pantalica Trittspuren von lasttragenden Maultieren, die sie auf ihrem Weg zur Mühle hinterlassen haben. Sie sind so tief eingeschliffen, daß sie schon wieder hinderlich sind.
Gleis Pantalica

Gleis Pantalica2

(2 Fotos Pantalica/Sizilien 1999)

Gleis Pompeji

In den Straßen des ausgegrabenen Pompeji sieht man ebenfalls Gleise, sogar mit Sperre für Niedrigachser (Topper 1999).

Die Gleise auf Sardinien sind wenig publiziert, hier ein Foto von Hartwig Hausdorf, wo Gleise wie auf Malta zusammen mit alten Grabkammern erscheinen:

Gleis Sardinien H

Dazu schreibt Hartwig Hausdorf: Das Foto zeigt "Su Crucifisso Manu" auf Sardinien, etwa 1 km Luftlinie von der Pyramide Monte d´Accoddi entfernt. Das ist eine Anlage voller Cart Ruts, kleiner als Clapham Junctions aber größer als z.B. Bingemma (beides Malta). Da diese Cart Ruts auf Sardinien von sog. "Domus de Janas" durchschnitten werden, die aus der Jungsteinzeit sind, kann man die Cart Ruts mindestens genauso alt datieren. (Siehe www.hartwighausdorf.com)

Ein weiteres Foto von derselben archäologischen Stätte "Su Crucifisso Mannu" (Porto Torres) stammt von Gianni Careddu vom 19. Mai 2012, veröffentlicht in wikimedia commons. Hier sind die beiden Rillen sehr scharf eingeschnitten, dennoch ist ein Stück links weggebrochen. Wichtig wäre, daß mal jemand die Spurbreiten dort ausmißt!

Gleis Sardinien w

In Spanien habe ich ab 1970 die erstaunlichsten vorgeschichtlichen Zeugnisse dieser Karrenzivilisation entdeckt (publiziert 1977, siehe den 1. Artikel auf dieser Seite). Hier ein altes Fotos zu den Gleisen in der Caleta von Cádiz bei Ebbe (links):

Gleis CadizTermancia Gleis

Rechts: die riesige Einfahrt zur Ruinenstadt Termancia, deren Anfang total zerstört ist (mit Person zwecks Größenvergleichs)

Nun sind in Spanien ebenfalls weitere Gleise gefunden worden, den Fotos nach zu urteilen von der typischen Form wie in Termancia und Meca:
Los Molinos bei Padul (Granada), eine sogenannte Römerstraße, stark zerrissen (Foto Christoph Ehlers 2016)

Gleis Padul

Des weiteren wurden Funde gemeldet aus:

Solana de la Pedrera (Murcia)
Peratallada (Girona) – etwa 22 km östlich von Gerona nahe Toroella de Montgrí, nicht weit von der Mittelmeerküste (Foto 2014),
und auf Menorca (Balearen).

Ein typisches Gleisestück auf der Insel Mallorca befindet sich am südlichen Ortsrand von Cala Millor links des Weges zum Castell. Sie wurden von Erwin Wedemann (Hamburg) 1998 fotografiert und mir im Jahr 2000 zur Veröffentlichung übergeben.

Mallorca 1998

Wedemann schrieb dazu, daß die Kanten dermaßen scharf gezogen sind, daß sie weder mit Meißeln bearbeitet noch durch langen Gebrauch eingeschliffen sein können sondern den Eindruck einmaliger Benützung machen.

Neu ist auch die Fundstelle in Portugal:
Chas de Egua beim Ort Piódao (Serra Estrela, Provinz Coimbra) im Innern des Landes,
und auf der Insel Terceira (Azoren). Von beiden gibt es gute Fotografien auf der englischen Webseite:
http://www.ancient-wisdom.com/portocartruts.htm

Aus der Türkei wurde von Tatjana Ingold in Derinkuyu (Nevşehir) ein Gleisestück mitgeteilt, in Ergänzung zu meinem Artikel in Sagenhafte Zeiten" 2004, Heft 5, S. 32. Die vier Felsengleispaare, "ähnlich wie auf einem Bahnhof in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander", befinden sich östlich von Derinkuyu links der Straße nach Basköy, 6 km vor dem letzteren.

Ein Gleisestück sahen wir in der Ruinenstadt Metropolis (bei Afyon Karahisar), konnten aber wegen miserablem Winterwetter keine Aufnahmen machen.

In Yazilikaya (Bogazköy),der alten Hethiter-Stadt, sollen mehrere Teilstücke von Gleisen sein, die wir leider nicht fanden.

Auf Zypern hatten wir in der bronzezeitlichen Stadt Encomi (ausgegraben von Schaeffer) ein kurzes Stück gefunden, dessen Zerrissenheit auf die Katastrophe hinweist :

Gleis Encomi

Die seltsame Lage der Gleise erklärt sich aus der tektonischen Hebung mit Bruchstelle:

Encomi skizze

Eine weitere Fundstelle auf Zypern liegt in der Nähe von Paralimni bei Famagusta; die Gleise wurden 1981 gesehen und mir im Jahr 2000 mitgeteilt.

Auf dem Festland östlich von Zypern, in Beirut im Libanon, gibt es ebenfalls Gleise. In Efodon-Synesis 4/2016 (S. 19-21) erschien ein Artikel mit Fotos von Ferdinand W. O. Koch, der im römischen Bad von Beirut die typischen und unerklärlichen Fahrspuren fand. Er kommt zu demselben Schluß wie oben beschrieben: „Das Gelände macht so den Eindruck, als wenn alles in Bewegung geraten und dann schlagartig erstarrt bzw. versteinert wäre.“ Aus der Beschreibung geht auch hervor, daß das römische Bad viel später als die Fahrspuren angelegt worden sein muß, sie machen in diesem Bauwerk keinen Sinn. Die Abmaße berichtet Koch leider nicht, weist aber auf die häufig auch von uns gesehene Extrakante hin, die sich am oberen Rand der Spur entlangzieht und nach Erklärung schreit.

Was unseren geografischen Raum erheblich ausdehnt – aus Azerbeidschan, in unmittelbarer Nähe der Hauptstadt Baku am Kaspischen Meer, wurden zwei Orte mit Gleisen gemeldet:
Türkan (40.38 N – 50.21 E) und Süvalan nahe der Küste;
Apsheron Peninsula und Beyuk Zire (Nargin) in der Bucht von Baku.

Und nun Indien!
Im Jahr 2002 teilte Franz Brätz erstaunliche Felsengleise aus Indien mit: Bei der Königsresidenz Rajagriha in Bihar gibt es Karrengleise im Vulkangestein (!), die wie mit einem Messer in weichen Käse geschnitten sind. Sie beginnen am Südtor der äußeren Zyklopenmauer und sind etwa anderthalb Kilometer lang. Der Wall dort ist 40 km lang und bis zu 4 m hoch, aus Steinblöcken von 1-1,5 m Länge errichtet. Dieser Ort war Schauplatz des ersten buddhistischen Konzils, sowohl Siddharta als auch Mahavira hatten hier gelebt.

Und jetzt das aufregendste: auch in Amerika gibt es sie!
Und zwar in Mexico: Tlaxcala de Xicohténcatl, nördlich von Puebla (Fotos von Josef Otto),
und in Brasilien: Cidade de Sousa in Paraiba; in derselben Gegend fand man viele versteinerte Spuren von Saurierpfoten.
Das Besondere an den amerikanischen Gleisen ist, daß die Wissenschaft lehrt, im vorkolumbischen Amerika habe man das Rad nicht gekannt. Nach allgmeiner Ansicht sind die Gleise sehr viel älter als die europäische Besiedlung.

Zusätzliche Literatur:

Brätz, Franz (2002): Indische Geisterstädte (Argo Verlag Schlotterbeck, Marktoberdorf)

Cihla Vaclav www.cartrutsde.imc23.eu bringt excelente Fotos und eine Karte von Malta

Helbling, Hanno und Moosbrugger, Bernhard (1972): Römerstraßen durch Helvetien (Pendo Verl., Zürich)

Pfister, Christoph (2004): Das "Martinsklafter" und ein Karrgeleise im Berner Jura - La toise de Saint-Martin et une route "romaine" dans le Jura bernois (http://www.dillum.ch/html/toise_de_saint_martin_frinvillier.htm).

Topper, Uwe (1977): Das Erbe der Giganten (Olten, Schweiz), Kap. 11
- Horra. Die ersten Europäer (Tübingen 2003) (zusammengefaßt go hier)
- (1997): Unerklärliche Felsengleise, in Efodon-Synesis Nr. 21 - in AAS 2004, etc., und go hier: 2008

Trump, David H. (1972): Malta. An Archaeological Guide, S. 34

Ich möchte einen Kommentar zu diesem Text schreiben:

zur Startseite