Johnson: Aufstieg der englischen Kultur
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Berlin · 2020  Uwe Topper topper


Edwin Johnson

Aufstieg der englischen Kultur
Hinweise zur Übersetzung von Johnsons späten Werken durch Wolf Odinson

Edward A. Petherick schrieb eine Erläuterung (1903) zu der von ihm bewirkten (postumen) Ausgabe des Buches von E. Johnson (hier im internet).

go hier nun die deutsche Übersetzung von Wolf Odinson 2020 BoD

Der Inhalt des Buches umfaßt folgende Kapitel (nach dem Vorwort zur Übersetzung durch Wolf Odinson):

Der Aufstieg der englischen Kultur

Edwin Johnson und seine Schriften (von Edward A. Petherick, Streatham, Juni 1903) Seite 19

Allgemeine Einführung Seite 61
Kapitel 1 Der Aufstieg des Ordens des heiligen Benedikt Seite 105
Kapitel 2 Die benediktinische Architektur Seite 115
Kapitel 3 Der Aufstieg der benediktinischen Literatur Seite 123
Kapitel 4 Fabeln über benediktinische Schulen Seite 131
Kapitel 5 Das Schema der benediktinischen Literatur Seite 141
Kapitel 6 Das benediktinische System der Chronologie Seite 169
Kapitel 7 Das benediktinische System der Reisenden,
Geographen und Naturhistoriker Seite 189
Kapitel 8 Fabeln über Schulen + Das Kloster von Poggio
und die Fabeln über frühe irische Kultur Seite 241
Kapitel 9 Bibliotheken in Florenz und Rom Seite 267
Kapitel 10 Das benediktinische System der englischen Historiker Seite 289

Die Paulusbriefe

Kapitel 1 Einleitung Seite 319
Kapitel 2 Polydor über den Ursprung des Christentums Seite 331
Kapitel 3 Die Anfänge der Paulus-Legende Seite 345
Kapitel 4 Paulus der "Berühmte Mann" Seite 375
Kapitel 5 Die Struktur der Paulusbriefe, wie sie uns im Missal begegnet Seite 387
Kapitel 6 Die Analyse der Paulusbriefe mittels Cassianus Seite 401
Kapitel 7 Fingierte Zeugnisse über Paulus Seite 417
Kapitel 8 Hieronymus und Augustinus, die "Berühmten" biblischen Gelehrten S. 439
Kapitel 9 John Leland über britische Schreiber Seite 459
Kapitel 10 Die Vulgata beziehungsweise die lateinische Bibel Seite 471
Kapitel 11 Paulus als katholischer Apostel Seite 487
Kapitel 12 Luther und Paulus Seite 499
Kapitel 13 Die Autoren von "Verisimilia" und ihre Analyse der Episteln Seite 519
Kapitel 14 Paulus als hebräischer Gelehrter Seite 531
Kapitel 15 Fazit Seite 543
Nachtrag Seite 551

Grunderkenntnis: Mindestens 600 Jahre in unserem Zeitstarhl sind falsch, zwischen 4 und 11. Jh. verging keine Zeit. Die Kirche wurde in Europa gegründet, das lateinische Christentum ist jünger als der Islam.

Häufig wird der krasse Bruch zwischen Antike und Renaissance erkannt und zeitlos überbrückt. Zwar ist von einer Katastrophe, die den Bruch verursacht haben müßte, nirgends die Rede, aber der Zeitsprung ist so deutlich, daß eine solche zwingend angenommen werden muß, auch wenn man keine Kenntnis davon hätte.

Dazu im Wortlaut Edwin Johnson S. 63 (IV):
"dass das 15. Zeitalter beziehungsweise Jahrhundert das dunkelste ist. Verglichen
mit diesem sind die Eindrücke, die wir vom 16. Jahrhundert haben, von außerordentlicher Klarheit."
Dabei ist sein Hauptanreger ein gewisser Polydor Vergil, De inventoribus Rerum, auf den er besonders zu Anfang des Buchs über die Paulsbriefe eingeht.
Johnson schreibt einige Sätze fast wie ich in "Die Große Aktion" (1998). Damals kannte ich Johnsons Werk der Paulinischen Episteln noch nicht. Und dieses Buch Johnsons über die Entstehung der englischen Kultur lerne ich gerade erst kennen und staune über die weitgehende Überseinstimmung. Da viele Aussagen (von denen ich hier nur einige zitiere, man lese das Buch lieber selbst und im Ganzen) mehrfach in unserer gemeinsamen Chronologiearbeit gleich oder ähnlich klingen, fühle ich meine Anstrengung bekräftigt und belohnt (siehe auch meine Besprechung von Johnsons Werk hier)

S. 73:
"Vor etwa 400 Jahren (also gegen 1500) begannen sie (die Benediktinerorden)
die hebräischen Schriften ins Lateinische zu übersetzen, wobei wir immer
bedenken müssen, dass die Entdeckung der vollständigen Bibel
für Martin Luther (angeblich um das Jahr 1503) der Bergung eines
Schatzes glich, der in einem Acker verborgen war."

S. 74 f.: "Die Regel des heiligen Benedikt sollte in enger Verbindung mit dem
Neuen Testament studiert werden, wobei beide Schriften als Literatur
betrachtet werden müssen, die erst zwischen 1480 und 1520 herausgegeben
und der Welt bekannt gemacht wurde."

S. 84: "Luther ist der wiedererstandene Augustinus; Wyclif ist eine Erfindung."
Letzteres sagt er in Anlehnung an die Studien von Thorold Rogers (S. 174 ff; S. 250 geht er nochmal darauf ein).

S. 134 f (und nochmal S. 370) wird auch Dante erwähnt, und zwar in Verbindung mit Thomas von Aquin und seiner angeblichen Ermordung, worauf Dante in seinem Epos anspielt. Nach Johnsons Schema wird dies ebenfalls erst gegen 1500 geschrieben sein.

S. 168:
"Die verfügbaren Beweismittel zeigen deutlich genug, dass die Kultur des Lateinischen in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wiederbelebt wurde und gewisse Zeit später die Kultur des Griechischen, jeweils unter einer begrenzten Anzahl von Gelehrten. Der epochale Trithemius ... ist eventuell sogar der erste Abt, der sich unter der Anleitung eines jüdischen Konvertiten des Hebräischen annimmt."

Besonders lehrreich ist dann Kap. VI (ab S. 169):
"Das benediktinische System der Chronologie"
Darin bespricht er auch ausführlich Sacrobosco (ab S. 179), mit Bezug auf John Leland (um 1540), wobei erkennbar wird, daß Sacrobosco im 15./16. Jh. geschrieben sein muß.
Für den angeblich im 13. Jh. wirkenden Roger Bacon findet Johnson mit Hilfe von Leland ähnliche Verschiebungen heraus (ebendort) und zitiert dazu den schrafsinnigen Thomas Fuller. Ähnlich trifft es Robert Greathead (Grossteste, S. 186).
und schließt S. 188:
"Am Ende des 15. Jahrhunderts kann das Studium der
Astronomie in den Klöstern gerade erst begonnen haben. Die frühen
astronomischen Fehler der Benediktiner offenbaren sich nirgends
deutlicher als im "Opus Majus" (von Bacon)".

Kap. VIII beschreibt Johnson humorvoll die im Kloster Bobbio (Italien) geschriebene Legende der Christianisierung Irlands, die sich aber vor 1500 nicht ereignet haben kann, also ein Jahrtausend später als erfunden. S. 243:
"Es wurde ernsthaft behauptet, die runden Türme seien vor der englischen Eroberung
errichtete Glockentürme von Kathedralen und Abteien gewesen." (sehr ähnlich dazu Topper 2006, Teil 2)
Nun werden bezüglich der französischen Erfindungen Johannes Launoius (Jean de Launoy, 1672; siehe auch Topper 1998, S. 260) und unser allseits verehrter Jean Hardouin genannt, dessen Schrift Prolegomena Johnson ins Englische übertrug (erschienen postum 1909, siehe hier).

S. 283: Während Erasmus von Rotterdam mit der Schöpfung der Bibel tätig war, halfen einige Zeitgenossen mit. "Wir erleben wie Colet aus Italien kommt, um einem erregten und neugierigen englischen Publikum den Apostel Paulus und dessen Schriften darzubringen." (John Colet wird schon S. 272 erwähnt).

Als einen wichtigen Beitrag zum Problem der italienischen Jahreszahlen (hier bei Büchern) möchte ich Johnson (S. 280) zitieren:
"In einer vor 50 Jahren gehaltenen Vorlesung macht Edgar Quinet die
dahingehende Beobachtung, dass das 18. Jahrhundert für die Franzosen
das war, was für die italienischen Gelehrten das 16. Jahrhundert
war. Er nennt einige der herausragendsten Humanisten dieser
Zeit und sagt, dass ihnen die von der Kirche beanspruchten 1500
oder 1600 Jahre wie ein "subtiler Traum" erschienen. Dass Quinet
nicht die ganze Tragweite dieser Aussage begriff, macht sie nur
umso bemerkenswerter. Es ist an der Zeit, eindringlich zu verkünden,
dass die Humanisten guten Grund dafür hatten, die Rückschau
der mönchischen Historiker faktisch als künstliches Produkt in Form
eines subtilen Traums zu betrachten."

Hinsichtlich Beda Venerabilis, dem ehrwürdigsten Kichenschriftsteller Englands ("8.Jh.") befindet Johnson,
"zeigt sich, dass das Werk unmöglich älter als die letzten Jahrzehnte des 15. Jahrhunderts sein kann. Außerhalb der Klöster war es bis zur Regierungszeit Heinrichs VIII. völlig unbekannt. Erstmals gedruckt wurde es erst 1643."
Es ist damit einer der frühesten Versuche, eine Kirchengeschichte Englands zu erstellen.

Das Buch über die Paulsbriefe ist äußerst detailgenau verfaßt und bringt klare Ergebnisse, die aus den allgemeinen Kenntnissen abgeleitet sind (S. 474): "In diesem unmöglichen Geschichtssystem klafft nun eine immense Lücke von 600 bis 700 Jahren, während welcher man geringfügig am Text herumgebastelt haben soll. Die nächste Absurdität, mit der wir
konfrontiert werden, ist jedoch die, dass im sogenannten "16. Jahrhundert" beziehungsweise dem "Zeitalter der Veröffentlichungen", wie ich diese Zeit nenne, das Basteln und Korrigieren wieder von vorne begonnen haben soll."
Ich zitiere nur wenige Sätze, um die Lektüre des ganzen Buches anzuregen und zu zeigen, wie aktuell die Ergebnisse heute noch sind. Das Überspringen von 600 bis 700 ereignislosen Jahren zwischen Antike und Neuzeit wird von mir ja häufig angesprochen.

Was die wahre Entwicklung der Bibelschriften und Drucke angeht, so macht Johnson deutlich, daß sie in der Renaissance keineswegs 1400 Jahre alt sind, wie angenommen wird, sondern gerade erst geschrieben wurden. Wir müssen also zweierlei Sprünge unterscheiden: den Zeitsprung über 700 Jahre erfundene Geschichte und die Fälschung der Herstellung der Schriften der Kirche, einen doppelt so langen fiktiven Zeitsprung.

Übrigens war Johnson keineswegs vergessen, als er starb, siehe Besprechung seines postumen Buches in der New York Times go vom 14. Mai 1904

Ps.: Eugen Gabowitschs Artikel im genannten Forum über die Fälschungen antiker Schriften hat folgenden Literaturhinweis:
Ross, John Wilson (1878): Tacitus and Bracciolini. The Annals Forged in the XVth century (London)
Dieses Buch ist elektronisch auffindbar (hier der link)

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